Kann man eine Angststörung vollständig heilen?

Angst

Grundsätzlich gilt: kein Mensch ist völlig frei von jeglichen Ängsten. Angst ist eine wichtige Empfindung, welche uns insbesondere in früheren Zeiten das Leben retten konnte. Aus diesem Grund sind viele Ängste vor allem evolutionär bedingt, so beispielsweise die Angst vor Dunkelheit, Spinnen oder engen Räumen.

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Jede dieser Ängste hat ihren Ursprung darin, dass unser Gehirn gefährliche Situationen damit verknüpft. Im Umkehrschluss bedeutete das Gefühl der Angst eine Möglichkeit, eine gefährliche Situation frühzeitig zu erkennen und dieser zu entkommen. Angst ist somit durchaus sinnvoll und eine Warnung vor einer potenziell möglichen Gefahr.

Von einer Angststörung in Form einer psychischen Erkrankung spricht man jedoch dann, wenn diese Ängste irrational und in übersteigertem Maße ausgeprägt sind, sodass sich die Symptome in Form von mehr oder weniger starken Panikattacken äußern bzw. das Leben der Patienten in starkem Maße beeinflussen. Frauen sind hiervon deutlich häufiger betroffen als Männer.

Welche Angststörungen gibt es?

Angststörungen können in verschiedenen Formen und Schweregraden auftreten. Die wichtigsten Formen sind:

  • Panikstörung: Der Patient leidet unter schweren Angstattacken, welche meist mit körperlichen und psychischen Symptomen einhergehen. Zu den Symptomen gehören Atemnot, Schwindelgefühl, übermäßiges Schwitzen – Angstschweiß – oder ein Druckgefühl in der Brust. Panikattacken können unterschiedlich oft und mit unterschiedlicher Heftigkeit auftreten, zudem können sie sowohl infolge bestimmter Auslöser als auch ohne erkennbaren Grund auftreten.
  • Soziale Angststörung: Als soziale Phobie bezeichnet man vereinfacht gesagt eine sehr übertriebene Form von Schüchternheit und damit verbunden meist eine verstärkte Angst vor Situationen, in denen Menschen, die an sozialer Angststörung leiden, mit ihren Mitmenschen agieren müssen. Im Umgang mit anderen Menschen fühlen sich Betroffene nicht nur unwohl, sondern fühlen sich vor allem verstärkt von der Reaktion anderer und dem Gefühl, von anderen Menschen beurteilt zu werden, unter Druck gesetzt.
  • Spezifische Phobien: Spezifische Phobien werden durch bestimmte – spezifische – Reize ausgelöst, diese können bestimmte Situationen oder Dinge sein. Hierzu gehören Phobien wie die Angst vor Spinnen, welche tatsächlich nur in Verbindung mit dem auslösenden Objekt auftritt, ob hierfür eine direkte Konfrontation mit einer lebendigen Spinne nötig ist, oder bereits das Betrachten eines Fotos eine Panikattacke auslösen kann, ist von der Schwere der Ausprägung abhängig.
  • Generalisierte Angststörung: Die generalisierte Angststörung unterscheidet sich von anderen Formen der Angststörungen dadurch, dass sie sich in Form anhaltender Sorgen und Ängste äußert, welche nicht durch spezifische Reize ausgelöst werden. Die Symptome ähneln denen einer Depression.

Angsterkrankung heilen: Normale Angst oder Angststörung?

Die Abgrenzung zwischen irrationaler Angststörung und normaler Angst ist oft schwierig. Dies liegt zum einen an der Vielzahl der Angststörungen begründet, als auch darin, dass die Ängste von Person zu Person deutlich schwanken und in einem gewissen Grad völlig normal sind.

Wenn man in einem engen Aufzug ein mulmiges Gefühl hat oder sich beim Anblick einer Spinne ekelt, ist dies noch lange keine Angststörungen. Beide Empfindungen sind zudem evolutionär bedingt. Das normale Ausmaß einer Panik wird jedoch überschritten, wenn diese Angst das Leben der Betroffenen einschränkt. Dies kann sich auf unterschiedlichste Weisen andeuten, oft treten auch mehrere Hinweise kombiniert auf.

Je mehr man sich mit seinen Ängsten beschäftigt, umso eher ist dies ein Anzeichen für eine wirkliche Angststörung. Dies kann so weit gehen, dass man das Haus nicht mehr verlässt, sich den ganzen Tag mit den eigenen Ängsten beschäftigt, Berufs- und Privatleben darunter leiden oder die Ängste mit Alkohol und Drogen bekämpft. Auch Panikattacken mit deutlich ausgeprägten körperlichen oder seelischen Symptomen gelten als sicheres Anzeichen.

Was du in diesem Fall vermeiden und stattdessen TUN kannst:

Erkennt man sich in mindestens einem dieser Punkte wieder, sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden, um die Ängste näher zu analysieren und eine entsprechende Therapie zu finden.

Welche Behandlung bei Angststörung?

Angst

Angststörungen werden meist mit Psychotherapie oder medikamentöser Therapie behandelt, oft werden auch beide Ansätze miteinander kombiniert. Welche Behandlung am meisten Erfolg verspricht, hängt unter anderem von Art und Schweregrad der Angststörung ab. Aber kann man eine Angststörung vollständig heilen?

Im Rahmen einer Therapie lernt der Patient, die angstauslösenden Situationen nicht weiterhin zu vermeiden, sondern sich ihnen zu stellen. Diese Herangehensweise – bekannt als Konfrontationstherapie – erfolgt deshalb, weil man den meisten Auslösern nicht dauerhaft aus dem Weg gehen kann, stattdessen sollen Betroffene lernen, mit den Ängsten und ihren Reaktionen darauf, umzugehen.

Wie genau die jeweilige Konfrontation erfolgt, hängt von der jeweiligen Angststörung ab. Bei sozialen Phobien müssen Betroffene versuchen, mit ihren Mitmenschen zu agieren und kommunizieren. Richten sich die Ängste eher gegen spezifische Auslöser wird mit diesen Auslösern gearbeitet. Dies kann mit Bildern, Filmen oder echten Objekten erfolgen.

Zur medikamentösen Behandlung eignen sich selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) aus der Gruppe der Antidepressiva. Diese werden auch bei Patienten eingesetzt, welche keine Anzeichen einer Depression zeigen, da sie dabei helfen, Angstsymptome zu lindern. Oft gehen Angststörungen jedoch auch mit Depressionen einher, sodass sich diese Medikation generell empfiehlt.

Zusätzlich können eigene Maßnahmen wie sportliche Betätigung oder Entspannungstechniken helfen. Die Wirksamkeit ist bei schwach ausgeprägten Angststörungen jedoch höher als bei schweren Verläufen. Vor allem wenn eine Phobie schon sehr lange anhält, kann die Therapie entsprechend lange dauern.

Auch ist sie nicht bei jedem Menschen gleich wirksam, sodass oft verschiedene Ansätze getestet und eventuell kombiniert werden müssen, um die individuell passende Therapieform zu finden.

Sind Angststörungen vollständig heilbar?

Die Frage, ob Angststörungen vollständig heilbar sind, kann nicht einfach mit einem Ja oder Nein beantwortet werden. Für die Beantwortung muss man zuerst differenzieren, was genau Heilung bedeutet. Eine Heilung in dem Sinne, dass man nach abgeschlossener Behandlung unter keinerlei Ängsten mehr leidet, ist nicht möglich.

Dennoch gelten Angststörungen als therapierbar. Jedoch darf man den angestrebten Therapieerfolg nicht falsch verstehen. Ziel ist es nicht, frei von jeglichen Ängsten zu werden, sondern damit umgehen zu können.

Dies bedeutet, dass man als geheilt gilt, wenn das eigene Leben nicht mehr von den Ängsten bestimmt wird und man lernt, damit umzugehen. Vergleichbar ist dies mit der Heilung einer Depression. Erkrankte sind nicht geheilt im klassischen Sinne, sondern überstehen die depressive Phase und lernen im Rahmen einer Therapie Möglichkeiten, mit der Erkrankung umzugehen und sie den Großteil der Zeit hinter sich zu lassen.

Die Therapie von Angststörungen beschäftigt sich zudem damit, eigene Techniken zu entwickeln, welche man in akuten Situationen anwenden kann, sodass man Panikattacken bei gutem Therapieverlauf oft vollständig verhindern kann.

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Somit kann man zusammenfassen, dass eine Phobie oder Angststörung nicht heilbar ist, es aber dennoch durch gute Behandlung soweit kommen kann, dass sie das Leben der Patienten in keiner Form mehr beeinflusst. Die Grundangst bleibt jedoch meist bestehen, verursacht jedoch keine Probleme mehr.


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